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Seit dem 6. Februar 2015 ist der Vulkan Villarrica wegen erhöhter Aktivität für Besteigungen gesperrt, am 2. März wurde er auf Alarmstufe orange gesetzt. Und in der Nacht zum 3. März ist er dann tatsächlich ausgebrochen! Das wichtigste zu Beginn: es geht allen gut, Pucón und seine Bewohner haben keinen Schaden genommen und so langsam findet alles zur Normalität zurück. Dennoch möchte ich euch kurz erzählen, wie alles abgelaufen ist:

Irgendwie hatte ich in dieser Nacht einen sehr leichten Schlaf. Völlig untypisch für mich, die sonst schläft wie ein Stein. Vorsichtshalber hatte ich außerdem das Fenster aufgelassen. Mein weiß ja nie; wenn der Vulkan tatsächlich ausbricht, wollte ich auf keinen Fall die Sirene verschlafen! Um 3 Uhr hörte ich dann den Hund heulen. Also habe ich aufmerksam gelauscht… Nichts, keine Sirene. Na gut, der Hund heult öfters mal, also kein Grund zur Panik.
10 Minuten später hörte ich mein Handy brummen – Anruf einer Freundin. Leider war ich im Dunkeln zu langsam mein Handy zu finden. Als ich es dann endlich hatte, war der Anruf bereits vorbei. Und als ich sah wer angerufen hatte, dachte ich mir „Achso, na, meine Freundin ist bestimmt feiern heute, schließlich ist es ihr letzter Abend in Pucón, vielleicht ruft sie nur deswegen an“. Also habe ich mir auch dann noch keine Sorgen gemacht. Als dann aber 5 Minuten später unsere Gastmutter nach oben kam und sagte „Chicas, levantanse, el volcán“, ja ,da wusste ich, dass nun tatsächlich das eingetreten war, was ich befürchtet hatte: der Ausbruch des Vulkan Villarrica.
Auch meine Mitbewohnerin hatte in dieser Nacht einen leichten Schlaf. Also waren wir ruck zuck hellwach, sind zum Fenster gesprungen und haben uns den Vulkan angeschaut. Das rote Leuchten und die in die Höhe schießenden Feuermassen haben dann das übrige dazu beigetragen, dass wir in Lichtgeschwindigkeit in unsere Kleidung gesprungen, Schal und Jacke geschnappt, Wasser abgefüllt und Kekse in den Rucksack geschmissen haben. In dem Moment standen dann auch schon Verwandte mit dem Auto vor der Tür um uns abzuholen und zur Peninsula, dem Evakuierungsgebiet von Pucón, zu fahren.
Im Zentrum angekommen hat sich mir ein ganz anderes Bild geboten als erwartet: kein Hauch von Panik oder Hysterie, alle sind zwar zügig, aber ruhig, zur Peninsula gestrebt, bewaffnet mit dicken Jacken, Decken, Rucksäcken oder teilweise sogar kleinen Koffern. Und natürlich dem wichtigsten Utensil: dem Handy. Jeder wollte sich versichern, dass es Familie und Freunden gutgeht und auch ich habe natürlich meine Freunde vor Ort angerufen, um zu horchen, ob alle in Sicherheit sind.
Hier vom Zentrum aus hatten wir einen guten Blick auf den nur 16 km entfernten Vulkan Villarrica und haben das ganze Geschehen beobachtet. Vor der Eruption wurde mir immer gesagt „Die Lava fließt so langsam, da kann man nebenher spazieren“. Was wir dort oben nun allerdings sehen konnten, sah ziemlich schnell aus! Ein bisschen mulmig wurde mir da schon zumute. Nach einiger Zeit wurden die Lavaausstöße weniger, der Vulkan schien sich zu beruhigen. Und uns allen war mittlerweile auch schon ziemlich kalt. Unsere Gastmutter hat dann schließlich gesagt, wir fahren zurück zum Haus. Mir blieb nichts anderes übrig als ihr zu vertrauen, schließlich hat sie schon 5 Eruptionen erlebt und weiß daher, wovon sie spricht. Zurück im Haus gab es zunächst einmal heißen Tee und Kaffee sowie Kekse und Brot für alle. Ein bisschen beunruhigt war ich noch, denn offiziell wurde die Warnung noch nicht aufgehoben. Mit dem Tagesanbruch legte sich die Aufregung dann aber schließlich. Meine Freunde waren mittlerweile auch wieder alle in ihre Unterkünfte zurückgekehrt, sodass ich mich innerlich entspannen konnte.
Für 7:30 Uhr wurden Aufklärungsflüge mit Helikoptern angekündigt, um bei Tageslicht das ganze Ausmaß betrachten zu können. Um 9 Uhr gab es die offiziellen Nachrichten, dass zwar noch Alarmstufe rot besteht, man aber in die Häuser zurückkehren könnte.

Nun, im Nachhinein, bin ich unendlich froh, dass der Sommer hier so heiß und die Schneedecke auf dem Villarrica so dünn war. Sonst hätten die schmelzenden Schnee- und Gletschermassen viel verheerende Folgen haben können. Auch froh bin ich darüber, dass die Eruption nicht schon vor 2-3 Wochen stattgefunden hat, als Hochsaison in Pucón und geschätzt 10 Mal so viele Menschen hier waren. Wer weiß was dann für eine Panik unter den Touristen ausgebrochen wäre. Die Einwohner Pucóns nämlich, die kennen das ganze Prozedere, und konnten dadurch die nötige Ruhe verbreiten.